So funktioniert geloste Beteiligung

Formate, die den Zufall oder Losverfahren nutzen, um Menschen zusammenzubringen, tragen unterschiedliche Namen und können ganz verschieden aussehen. Trotzdem gibt es Dinge, die sie verbinden. Die sechs folgenden Schritte zeigen Grundprinzipien, nach denen geloste Beteiligung konzipiert werden kann.

Menschen werden ausgelost
Gelost werden kann eigentlich fast überall – in einer Klasse, unter den Mitarbeitenden, aus dem Melderegistern. Für politische Prozesse losen wir üblicherweise Menschen aus dem Melderegister aus. Das ist möglich, wenn das öffentliche Interesse gewahrt ist (Bundesmeldegesetz §46). Dabei können unterschiedliche Kriterien angewendet werden: Geschlecht, Alter, Wohnort sind die häufigsten.
Wie dabei gelost wird, kann unterschiedlich sein. Manchmal kommen sogenannte zweistufige Losverfahren zum Einsatz, manchmal auch das Aufsuchende Losverfahren.

Die Menschen treffen sich
Erwartungsmanagement ist einer der zentralsten Bestandteile von Beteiligungsformaten. Denn wenn falsche Erwartungen geweckt werden, kann der Effekt so einer Veranstaltung schnell ins Gegenteil umschwenken: Anstatt Vertrauen zu stärken, kann Frust entstehen.

Sie arbeiten in Kleingruppen
Das Besondere an geloster Beteiligung ist, dass viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen – schließlich hat der Zufall entschieden. Um all diesen Menschen und Meinungen Gehör zu verschaffen, gibt es eine professionelle Moderation in den wechselnden Kleingruppen. Eine solche Form der Gesprächsführung ermöglicht, dass jede:r zu Wort kommt und gehört wird. So entsteht eine wertschätzende Atmosphäre – und das ist die Grundlage für einen konstruktiven Dialog.

Ideen oder Lösungen für ein konkretes politisches Thema
Die Teilnehmenden arbeiten in einer Kleingruppe an einer konkreten Problemstellung. Die Themensetzung kann ganz unterschiedlich passieren: Die Themen können von vornherein feststehen, sich während des Prozesses ergeben oder im Vorhinein durch einen eigenen Agenda-Setting-Prozess ermittelt werden. Das heißt: Verschiedene Akteure überlegen gemeinsam, welches Thema sinnvoll wäre. Es kann ein Thema sein, bei dem die Politik sich Feedback wünscht, oder eines, bei dem die Menschen das Gefühl haben, die Politik kümmere sich nicht ausreichend darum.
Die Themensetzung hängt auch von der Ausrichtung des Formats ab, und diese kann durchaus sehr verschieden sein: Bei Bürgerräten wird ein Gutachten mit Empfehlungen erarbeitet, das den Politiker:innen übergeben wird. Diese setzen sich dann idealerweise mit den Empfehlungen auseinander und erklären, wie mit den Vorschlägen verfahren wird.
Bei unseren Wahlkreistagen ist das Ziel ein anderes: Hier geht es in erster Linie um den Dialog zwischen verschiedenen Menschen untereinander und mit ihren Bundestagsabgeordneten.

Expert:innen unterstützen die Gruppe
Viele der ausgelosten Menschen haben sonst vielleicht nicht so viel mit Politik am Hut oder sind in das Thema des Tages nicht eingearbeitet. Und genau darum geht es: Geloste Beteiligung soll Politik zugänglich machen und Problemstellungen mit verschiedenen Lebensrealitäten zusammenbringen. Dennoch ist eine wissenschaftliche Grundlage wichtig, damit es eine gemeinsame Basis für den gemeinsamen Austausch gibt. Je nach Thema und Format gibt es eine gemeinsame Diskussionsgrundlage: entweder in Form von fundiertem Begleitmaterial oder in Form von Anhörungen.
Die befragten Institutionen oder Expert:innen sollten dabei das gesamte Meinungsspektrum des behandelten Themas abdecken, damit die wissenschaftliche Grundlage die Diskussion nicht verzerrt.

Es entsteht etwas Gemeinsames
Je nach Ausrichtung des Formats sieht das Ende unterschiedlich aus:
Bei einem Bürgerrat werden klassischerweise am Ende alle Ideen und Vorschläge, aber auch Bedenken und Uneinigkeiten in einer konkreten Handlungsempfehlung zusammengefasst und an die Politik weitergereicht.
Dabei wird oft das Abstimmungsverhalten aller Teilnehmenden abgebildet – sowohl die Zahl der Zustimmenden als auch die Zahl der Kritiker:innen beziehungsweise derer, die konkrete Zweifel äußerten. Aus den Teilnehmenden kann eine Resonanzgruppe gebildet werden, die als Ansprechpartnerin für die Abgeordneten fungiert und die Anhörung und Umsetzung der Handlungsempfehlung verfolgt.
Bei einem Wahlkreistag werden Ideen und Erfahrungen mit Abgeordneten direkt besprochen. Hier geht es nicht um Empfehlungen, sondern um das gegenseitige Zuhören und Verstehen.
