Redesigning Democratic Representation
Auf einen Blick
Wie gestalten wir die Beziehung zwischen Menschen und Politik neu? Das Projekt Redesigning Democratic Representation (ReDeRe) untersucht, wie politische Repräsentation funktioniert – und wie sie besser funktionieren könnte. Wo und wie wählen wir? Wie erreichbar sind Abgeordnete für die Menschen in ihrem Wahlkreis? Und wessen Erfahrungen fließen überhaupt in politische Entscheidungen ein? Der Wahlkreisdialog ist der praktische Versuch, genau diese Fragen zwischen zufällig ausgelosten Menschen und ihren Abgeordneten zu diskutieren.

Projektsteckbrief
Die Herausforderung
Viele Menschen fühlen sich von der Politik nicht gehört. Dabei lebt Demokratie davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen – nicht nur jene, die ohnehin politisch aktiv sind. Zugleich stellt sich die Frage: Wie können Abgeordnete für die Menschen in ihrem Wahlkreis wirklich erreichbar sein? Und wie lassen sich politische Entscheidungsprozesse so gestalten, dass sie die Vielfalt einer Gesellschaft tatsächlich widerspiegeln?
Genau hier setzt der Wahlkreisdialog an. Durch das Aufsuchende Losverfahren beziehen wir gezielt Menschen ein, die sehr unterschiedliche Lebenswirklichkeiten mitbringen – jenseits der üblichen politischen Kanäle. Der Wahlkreisdialog öffnet einen Raum für eine kritische demokratische Praxis: den Austausch zwischen Abgeordneten und Menschen aus ihrem Wahlkreis darüber, wie sich Demokratie gemeinsam gestalten lässt.
Unser Ansatz
Das Aufsuchende Losverfahren
Beim Wahlkreisdialog werden Menschen ab 14 Jahren per Zufallsauswahl aus dem Melderegister eingeladen. Wer sich auf die Einladung nicht zurückmeldet, wird in einem persönlichen Haustürgespräch erneut eingeladen und gefragt, was er oder sie zur Teilnahme braucht. So werden auch häufig ungehörte Perspektiven Teil des Austauschs.
Der Wahlkreisdialog
Am Vormittag sprechen die Teilnehmenden in Kleingruppen über ihre Erfahrungen mit Politik und Repräsentation – in einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre. Am Nachmittag kommt die oder der Abgeordnete des Wahlkreises dazu, um Standpunkte auszutauschen und sich kennenzulernen.
Der Unterschied zum Wahlkreistag
Beim Wahlkreisdialog ist jeweils nur eine Person aus dem Bundestag dabei, weil im Projekt drei einzelne Abgeordnete in ihrem Wahlkreis begleitet werden. Außerdem lautet das Thema immer „Repräsentation“ – anders als beim Wahlkreistag.
„Ich verlasse den Tag mit mehr Fragen, aber auch mit neuer Motivation.“
„Ich habe Lust bekommen, selbst wieder Politiker:innen zu kontaktieren.“
„Es hat gezeigt, dass wir mehr gemeinsam haben, als wir oft denken.“
— Stimmen von Teilnehmenden (Wahlkreisdialog Frankfurt am Main I)

Das Ergebnis
Bisher haben zwei Wahlkreisdialoge stattgefunden. Der erste im September 2025 in Frankfurt am Main I mit dem Abgeordneten Armand Zorn (SPD), der zweite im Januar 2026 in Berlin-Mitte mit der Abgeordneten Hanna Steinmüller (Bündnis 90/Die Grünen). Ein dritter ist mit dem Abgeordneten Sepp Müller (CDU) in Anhalt – Dessau – Wittenberg für den Spätherbst 2026 geplant.
Frankfurt am Main I
22 ausgeloste Personen zwischen 16 und 92 Jahren – darunter Menschen mit Fluchterfahrung, unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen und sehr verschiedenem Vertrauen in die Politik – diskutierten mit Armand Zorn, wie die Beziehung zwischen Politik und Gesellschaft besser gestaltet werden kann. Die Gruppe sammelte Kritik am Status quo, entwickelte konkrete Ideen und übermittelte die Ergebnisse direkt an den Abgeordneten. Die zentrale Erkenntnis: Repräsentation ist keine Einbahnstraße. Politikerinnen und Politiker müssen zuhören und transparent handeln, aber auch die Gesellschaft trägt Verantwortung dafür, dass Demokratie funktioniert.
Berlin-Mitte
Am 17. Januar 2026 kamen 15 ausgeloste Personen mit Hanna Steinmüller zusammen. Dabei wurde eine wahrgenommene Distanz spürbar: Politik wirkt für viele „da oben“ und hat wenig mit dem eigenen Alltag zu tun. Persönliche Begegnungen mit Politikerinnen und Politikern sind selten – und genau darin liegt nach Ansicht vieler Teilnehmender ein Problem. Wer jemanden menschlich kennenlernt, kann Vertrauen aufbauen; wer das nie erlebt, bleibt skeptisch. Besonders junge Menschen und Menschen mit Migrationsbiografie berichteten, sich politisch nicht repräsentiert zu fühlen. Zugleich entstanden konkrete Ideen: regelmäßige Sprechstunden, niedrigschwellige Beteiligungsformate und verlässliche Rückmeldungen darüber, was mit den Anliegen der Menschen geschieht. Die zentrale Erkenntnis: Repräsentation bedeutet nicht nur, gewählt zu werden. Sie entsteht im Gespräch, auf Augenhöhe – und muss erlebbar werden.
Das Besondere
Besonders an diesem Projekt ist, dass wir unser Format Wahlkreistag hier in leicht abgewandelter Form erstmals im Rahmen eines Kooperationsprojekts durchführen.
Unsere Rolle
ReDeRe wird durchgeführt von der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) und der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Für Fragen der Gestaltung von Repräsentation bringt der Deutsche Design Club (DDC) seine Expertise ein. Die Wahlkreisdialoge führt unser Verein Demokratie Innovation e. V. durch, der sich für neue Formen losbasierter demokratischer Beteiligung einsetzt.
Gefördert durch
Volkswagenstiftung
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